Seit es den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Rodgau gibt,
solange gibt es auch schon Überlegungen des Vorstands, wie man Kinder zum
Radfahren bringt, ihnen zeigt, wie toll Radfahren ist. Seit Jahren erreichen
den ADFC dagegen Schreiben von Grundschulen, doch bei der Projektwoche
mitzumachen. Doch leider sind diejenigen beim ADFC, die mit Kindern arbeiten
wollen, alle Vollzeit berufstätig und brauchen den Erholungsurlaub. Auf der
anderen Seite bewegen sich zu viele Kinder zu wenig und zu uneigenständig.
Fahrrad-Ausflüge werden nicht von allen Familien unternommen und bei der
Radfahrprüfung in der 4. Klasse haben nicht wenige Kinder dann Probleme. Auf
der anderen Seite werden nach Ansicht des ADFC die Kinder heute
"überbehütet" und so in ihrer psychomotorischen Entwicklung gehindert.
Dagegen möchte der ADFC Rodgau was tun.
Lange Zeit konnte sich auch Stefan Janke, der Vorsitzende des ADFC Rodgau,
nicht vorstellen, dass man mit Grundschulkindern jeden Alters tolle Ausflüge
auf dem Fahrrad machen kann. Animiert durch die Erfahrungen mit der
eigenen - mittlerweile schulpflichtigen - Tochter konnte dann doch das
Angebot zur Projektwoche im Mai 2009 an der Freiherr-vom-Stein-Schule in
Dudenhofen starten - für die eigene Tochter die Urlaubstage "opfern" war OK.
Die Klassenlehrerin, Gabriele Muth, machte auch mit, so dass schon mal die
bitter nötige 2. Person dabei war. Für einen erfahrenen ADFC-Tourenleiter
und Vater einer Tochter im Grundschulalter war es denn auch kein Problem,
die Touren so auszuarbeiten, dass die Gruppe auch immer zur rechten Zeit
wieder zurück war, die Strecke so ausgewählt war, dass sie für die Kinder
leistbar und fahrbar war und Spielplätze und andere Attraktionen dabei
waren. Die Resonanz seitens der Schüler war überwältigend - es musste sogar
einigen Schülern abgesagt werden. 16 Kinder blieben übrig (10 Jungen, 6
Mädchen, 6 Erstklässler, 4 Zweitklässler, 6 Viertklässler).
Das Fazit des ADFC-Chefs: die Kinder haben allesamt sehr positiv überrascht.
Es gab keine Pannen, kein Gemurre oder technische oder körperliche Ausfälle.
Es gab zwar täglich "Unfälle", wo mal ein Schutzblech wieder geradegebogen
werden musste oder ein Kind nach dem "Andocken" beim Vordermann sanft vom
Rad fiel. Aber alles in allem fuhren die Kinder diszipliniert hintereinander
im gleichen Tempo. An 3 Tagen gab es noch Unterstützung durch eine
engagierte Mutter, an zwei Tagen war dies Inge Grimm. Natürlich mussten die
Kinder in einer feste Reihenfolge hintereinander fahren, sonst wäre es ein
Chaos geworden. Mit diesem langen Tross fiel die Gruppe nicht nur auf (was
auch ein guter Schutz war), sie bekam bewundernde Blicke, Leute staunten vom
Balkon herab, andere Radfahrer gaben anerkennende Kommentare, Autofahrer und
auch Busfahrer ließen die Gruppe geduldig trotz der langen Schlange über die
Kreuzungen passieren. Anfangs wurden Ampeln zur Überquerung größerer Straßen
bevorzugt, aber nachdem sich die Gruppe einmal mit 19 Leuten auf eine
Verkehrsinsel gequetscht hatte, war letztendlich die freie Überquerung
schneller und oft auch sicherer. Am ersten Tag wurden zunächst die Fahrräder
inspiziert - es musste oft Luft in die Reifen gepumpt werden - und
anschließend wurde geprüft, ob die Helme der Kinder richtig eingestellt
waren. Nach dem Eingewöhnungstag mit 18 km rund um Dudenhofen - was sehr
anstrengend, da ungewohnt, für die Kinder war; immer im gleichen Tempo und
voll konzentriert, um nicht auf den Vordermann aufzufahren - konnten am
nächsten Tag dann Ziele wie Zellhausen/Seligenstadt (22 km), der
Waldspielpark Hausen (23 km) und der Wingertsturm Dietzenbach (20 km)
angeradelt werden. Wichtig war die erste Spielplatzpause nach etwa 6
Kilometern. Die Kindern haben ihr Frühstücksbrot dann sehr nötig gehabt und
freuten sich aufs Toben. Tag für Tag bekamen die Kinder mehr Kondition und
der Ehrgeiz nach den gefahrenen Kilometern wurde größer. Ziele wie Frankfurt
standen auf einmal auf der Wunschliste, doch das war in 3 Stunden inkl.
mehrerer Pausen nicht zu schaffen. Doch nicht nur für die Kinder war es
anstrengend. Auch die "Crew" war danach "fertig". Aber es hat sich gelohnt -
für die Kinder, für die Schule und für die mitfahrenden Erwachsenen.
Erschreckend aber, wie wenig sich manche Kinder in der Umgebung auskennen
und Seligenstadt des Mains wegen mit Offenbach verwechseln.
Aufgrund der überaus positiven Erfahrungen möchte der ADFC Rodgau den
Lehrerinnen und Lehrern an den Grundschulen und den weiterführenden Schulen
Mut machen, solche Fahrradausflüge selber mal mit ihren Klassen zu machen
und genauso Eltern ermuntern, öfters Fahrradausflüge mit ihren Kindern zu
unternehmen und den Kindern so eine ausreichende Übung und Erfahrung bei der
Beherrschung des Fahrrades und beim Verhalten im Straßenverkehr zu
ermöglichen. Gemäß einer aktuellen Studie im Auftrag des Bundesministeriums
für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sind die Zahlen der verunfallten
Kinder im Straßenverkehr als selbständige Verkehrsteilnehmer in den letzten
Jahren spürbar gestiegen. Die Hauptgründe waren: Defizite bezüglich der
Verkehrsregeln, mangelnde Erfahrung mit Gefahrensituationen und mangelnde
Beherrschung des Fahrrades allgemein. Im Auftrag des Ministeriums wurde nun
ein Konzept für ein Fahrradsicherheitstraining als Angebot für
Klassenfahrten der 5.-7. Klassenstufe entwickelt, das auch auf andere
Altersstufen und Projektwochen angewandt werden kann und das als PDF per
Email gerne beim ADFC angefordert werden kann. Darüber hinaus finden sich
weitere Informationen zum Radfahren mit Kindern auf der Homepage des ADFC
Rodgau www.adfc-rodgau.de (fahrRADseite). Für Rückfragen steht Stefan Janke
(Tel. 06106-826408 und Email stefan.janke@adfc-rodgau.de) gerne zur
Verfügung.

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ADFC Rodgau e.V., c/o Stefan Janke
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