Worauf man beim Kauf eines Fahrrades achten sollte, welcher Fahrradtyp zu welchem Zweck passt, was für verschiedene Bremssysteme, Lenkerformen, Sättel, Beleuchtungsarten, Schaltungsarten, Rahmenformen und -typen existieren, war Inhalt einer Informationsveranstaltung der Ortsgruppe Rodgau des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) am Samstag, den 10. März um 16 Uhr im Rathaus Obertshausen. Vor zahlreichen Anwesenden wurden die allgemeinen Grundlagen erläutert, die man wissen muss, will man ein passendes Fahrrad zu kaufen.
So sollte man sein Rad nur im Fachhandel erwerben. Der Verband der Fahrrad- und Motorradindustrie bezeichnete die Fahrräder, die für 100 bis 200 Euro von Supermärkten oder Versandhäusern angeboten werden, als "gerade noch blickfest". Der ADFC Rodgau warnt eindringlich vor dem Kauf dieses "fabrikneuen Sperrmülls" Erst ab 600 bis 800 Euro bekomme man etwas, was den Namen Fahrrad verdiene, ab 1.000 Euro mache das Rad fahren dann richtig spaß. Zudem könne nur ein Fachhändler den Service bieten, kompetent zu beraten, das Fahrrad nach Kundenwünschen abzuändern, Reparaturen und Inspektionen durchzuführen. Ohne Probefahrt sollte man kein Fahrrad kaufen.
Da es für unterschiedliche Einsatzzwecke auch unterschiedliche Fahrradtypen gibt, müsse man sich sicher sein, wofür man das Rad hauptsächlich nutzen will und was es dafür können muss. Braucht man es nur für kurze Wege in der Stadt oder will man damit auch größere Radtouren unternehmen? Möchte man damit etwas transportieren (z.B. Kinder, schwere Packtaschen, Anhänger) oder soll es ein reines Spaßrad sein?
Nicht minder wichtig ist es, dass das Fahrrad auch richtig passt. Dafür misst man seine Innenbeinlänge (von der Ferse bis zum Schritt) und zieht davon ca. 25 cm ab (bei MTB-Rahmen ca. 30 cm wegen der anderen Rahmengeometrie). Dies ist nun die Rahmenhöhe, nach der man sich richten sollte. Das hat mit der Größe der Laufräder (28-Zoll/26-Zoll) nichts zu tun. Nur in Supermärkten sind die Rahmen mit 26-Zoll-Rädern kleiner als die mit 28-Zoll-Rädern. Dafür gibt es dort auch nur 2 Rahmenhöhen. Am Fahrrad erkennt man die Rahmenhöhe, indem man die Entfernung von der Mitte des Tretlagers bis zum Ende des Sattelrohres misst.
Den Sattel sollte man so einstellen, dass man auf ihm sitzend mit der Ferse des durchgestreckten Beines das Pedal in der tiefsten Position erreicht. Der Lenker sollte so breit sein wie die Schultern und der Gepäckträger mindestens 2, besser 3 Streben haben. Nicht jeder braucht eine 21-, 24- oder 27-Gang Kettenschaltung. Um auf längeren Touren mithalten zu können, kann man sich aber schon eine 7-Gang-Nabenschaltung gönnen, die es inzwischen auch schon mit bis zu 9 Gängen gibt. Von den 27 Gängen sind ohnehin nur 14 nutzbar, da viele Kombinationen gleich sind und andere Kombinationen für die Kette sehr ungünstig. So sollte man mit dem kleinsten Kettenblatt nur die größten Ritzel benutzen, mit dem größten Kettenblatt nur die kleinsten Ritzel. Das mittlere Kettenblatt kann für alle Ritzel genutzt werden, wobei es für die Kette besser wäre, wenn nicht die äußersten Ritzel genutzt würden.
Schon seit ein paar Jahren gibt es auch eine 14-Gang-Nabenschaltung eines kleinen deutschen Herstellers, die die Vorzüge der Kettenschaltung bei weniger Pflegeaufwand bietet. Allerdings hat dies seinen Preis: pro Gang 50 Euro. Dafür gibt es nur einen Schaltgriff und alle Gänge sind gleichmäßig sanft abgestuft.
Das teuerste am Fahrrad ist mittlerweile die Ausstattung. Schaltung, Steuersatz, Kurbelgarnituren, Naben, Ritzelpakete, Bremsen, etc. werden zunehmend in einem Pack geliefert. Während es ca. 100 Fahrradhersteller gibt, ist die Zahl der Komponentenhersteller überschaubar. Folglich ist nicht so sehr die Marke des Herstellers entscheidend, sondern die Qualitätsstufe der am Fahrrad montierten Komponenten und die Qualität des Rahmens inkl. der Lackierung. Die Aussage "Schaltung von Shimano" allein sagt z.B. gar nichts aus, da es von Shimano eine breite Produktpalette gibt, angefangen vom minderwertigen Schrott bis zu der sündhaft teueren High-End-Ausstattung.
Darauf sollt geachtet werden: Halogenscheinwerfer, Rücklicht mit Standlichtfunktion, gute Bremsanlage, Alu-Felgen bei Felgenbremsen.
Mit dem Kauf des Fahrrades sollte auch gleich ein Schloss gekauft werden. Hier gilt die Faustregel: 10 % des Kaufpreises des Fahrrades sollten in den Diebstahlschutz investiert werden.
Zum Schutz des Kopfes sollte man such überlegen einen Helm zu tragen. Allerdings sollte er dann auch richtig eingestellt sein. Schätzungsweise 90% der Kinder und 70% der Erwachsenen tragen ihren Helm falsch: zu weit nach hinten, Bänder locker, Schläfen und Stirn ungeschützt.
Kinder sollten nach Ansicht des ADFC mit Tretrollern und Laufrädern an das Rad fahren herangeführt werden. Stützräder seien eher gefährlich, vor allem aber unnötig. Vom Laufrad auf das nächstgrößere Kinderrad sei kein großer Sprung und die Kinder lernten das Rad fahren sehr schnell.
Der ADFC rät, immer leicht, d.h. etwas schneller, zu treten und regelmäßig (mindestens monatlich) den Reifendruck zu prüfen. Viele Reifenhersteller geben den nötigen Reifendruck auf dem Reifen bekannt (z.B. min 3,5 bar max 6 bar). Die Anschaffung einer Standluftpumpe mit Druckanzeige sei auf Dauer eine lohnende Investition, da man über die normale Pumpe diesen Druck kaum erzeugen könne. Auch auf eine geschmeidige Kette sollte geachtet werden. Ein zu tief eingestellter Sattel, wenig Luft in den Reifen und eine quietschende Kette bringen keinen Spaß, sondern machen das Rad fahren zur Tortur.
Für weiteren Informationsbedarf findet am 15. April von 11-18 Uhr der ADFC Fahrradinformationstag in der Kulturhalle Rödermark in Ober-Roden statt. Mit Vorträgen zu Fahrradkauf, richtiger Sitzposition und Sattel, GPS, Fahrradpflege und einer großen Fahrradschau u.a. auch mit Liege- und Sonderrädern bietet die Veranstaltung auf über 400 qm reiner Ausstellungsfläche ein gewaltiges Informationsangebot. Daneben kann man sich auch über Radreisen, Unterkünfte für Radler und Alltagstipps zum Radfahren informieren, die Fahrradkarten der Region und für Radelurlaube werden vorgestellt, ebenso die Fahrradwegweisung im Kreis Offenbach. Sein Fahrrad kann man dort auch gegen Gebühr codieren lassen (bitte Personalausweis und Kaufbeleg mitbringen).
Die nächste Fahrradcodierung in Obertshausen ist am 21. April von 10-14 Uhr beim Bike-Center in der Erzbergerstraße.
ADFC Rodgau e.V., c/o Stefan Janke
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