Fahrradstraßen? Sehr gerne – aber bitte gut gemacht!

Fahrradstraßen können den Radverkehr stark fördern – wenn sie gut gemacht sind. Doch leider sind das in Deutschland nur sehr wenige... Auch die bisherigen Fahrradstraßen in Langen und Dreieich sind noch lange nicht optimal.

Die ersten Fahrradstraßen wurden 1991 mit Sondergenehmigung eingerichtet, seit 01.09.1997 sind sie in die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) aufgenommen worden. Doch erst jetzt wird begonnen, für Fahrradstraßen genauere Bestimmungen zu erlassen und es gibt nun erste Untersuchungen und auch Fachliteratur zum Thema. Die bis November 2021 gültige VwV-StVO sagte dazu:
Zu Zeichen 244.1 und 244.2 Beginn und Ende einer Fahrradstraße
I. Fahrradstraßen kommen dann in Betracht, wenn der Radverkehr die vorherrschende Verkehrsart ist oder dies alsbald zu erwarten ist.
II. Anderer Fahrzeugverkehr als der Radverkehr darf nur ausnahmsweise durch die Anordnung entsprechender Zusatzzeichen zugelassen werden (z. B. Anliegerverkehr). Daher müssen vor der Anordnung die Bedürfnisse des Kraftfahrzeugverkehrs ausreichend berücksichtigt werden (alternative Verkehrsführung).

Doch die VwV-StVO wurde nun geändert. Statt vorherrschender Verkehrsart ist dem Gesetzgeber nun wichtiger, dass die Fahrradstraßen zu einem Radverkehrsnetz gehören, bestenfalls zu einem Netz aus Fahrradstraßen.

Wie bei den Radwegen gilt auch hier: schnell und lieblos gemacht ist meistens nicht gut. Radfahrende wollen sich in Fahrradstraßen sicher fühlen können. Dazu sollte eine Fahrradstraße auch eine sein: ohne Kfz-Verkehr. Doch in bebauten Gebieten muss man wenigstens den Anliegern die Zufahrt ermöglichen. Um aber das Sicherheitsgefühl trotz Kfz-Verkehr in einer Fahrradstraße erlangen zu können, dürfen Radfahrende nicht bedrängt werden (können) - weder durch überholende Kfz von hinten noch durch entgegen kommende Kfz von vorne. Das macht man in den Niederlanden sehr gut. Inzwischen "kopieren" das manche Städte wie z.B. Senftenberg: https://www.senftenberg.de/Quickmenu/Start/Universit%C3%A4res-Lob-f%C3%BCr-Fahrradstra%C3%9Fe.php?object=tx,2779.5&ModID=7&FID=2779.21901.1
Das niederländische Prinzip ist pessimistisch - geht also von den Fehlern der Menschen aus und entsprechend unterbindet man das hier weit verbreitete „Recht des Stärkeren“. So sind die beiden Fahrspuren einer Fahrradstraße durch Aufpflasterung getrennt. Autofahrende müssen dadurch beim Überholen auf die (freie) Gegenspur und bleiben sonst geduldig hinter den Radfahrenden. Damit werden auch Radfahrende im Gegenverkehr durch Autofahrende nicht bedrängt oder gar gefährdet. Weiter gibt es hier keinen ruhenden Verkehr, der durch Ein- und Ausparken sowie durch geöffnete Autotüren zu Gefährdungen führen kann. Um Kfz-Schleichverkehr zu vermeiden, sollte es „Diagonalsperren“ geben, z.B. durch gegenläufige Einbahnstraßen für Kfz.

In Rodgau soll es nun auch demnächst Fahrradstraßen geben und wir hoffen, dass sie wirklich gut gemacht sind und keine „Luftnummern“. Wie in vielen anderen Städten, so auch in Dreieich und Langen hatte die Straßenverkehrsbehörde und damit auch die Politik wenig Mut, sowohl den fahrenden und als auch den ruhenden Kfz-Verkehr einzuschränken und vieles mehr.
Mir kam damals ein Bus in der Fahrradstraße in Dreieich entgegen – da blieb nicht viel Platz für mich... Wichtig ist auch, dass man gut von einer Fahrradstraße zum „Radnetz“ kommt und umgekehrt vom „Radnetz“ auf die Fahrradstraße – auch das ist oft ein sehr großes Manko. Das „Radwegenetz“ ist enorm wichtig, darum wurde auch das „Wunschradwegenetz“ entwickelt: www.adfc-rodgau.de/mapathon

Hier sind die rechtlichen Grundlagen zu finden: https://www.stvo2go.de/fahrradstrasse-regeln/
In der Download-Box finden sich Bilder aus Dreieich und zwei Leitfäden zu Fahrradstraßen sowie ein Literaturtipp.


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Bildergalerie

Fahrradstraße Dreieich 3

Fahrradstraße Dreieich 3

Copyright: Stefan Janke
Fahrradstraße Dreieich 1

Fahrradstraße Dreieich 1

Copyright: Stefan Janke
Fahrradstraße Dreieich 02

Fahrradstraße Dreieich 02

Copyright: Stefan Janke

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