Unterführungen für Rad- und Fußverkehr immer erste Wahl

Immer wenn ebenerdig Gleise oder Schnellstraßen im Weg sind, muss der Fuß- und Radverkehr entweder obendrüber oder untendrunter. Da obendrüber wesentlich mehr Höhenmeter bedeutet als untendrunter, sind hier immer Unterführungen vorzuziehen.

Unterführung Dellweg am Bürgerhaus Dudenhofen
Unterführung Dellweg am Bürgerhaus Dudenhofen

Was spricht für eine Überführung? Brücken sind alternativlos zur Überquerung von Gewässern und wenn Fahrbahn oder Schienen bereits "tiefer liegen". In Rodgau hatte man zu Beginn der 1990er Jahre gut daran getan, kaum neue Brücken über die geplante S-Bahnlinie zu errichten, denn diese werden kaum angenommen. Die davor schon existierende Überführung mit der K174 wurde vor der Errichtung der Zäune von der großen Mehrheit nicht benutzt - man ging einfach über die Gleise. Und dieses Verhalten sieht man auch heute an den Spuren unter der Querspange der Rodgau-Ringstraße bzw. man kann das gut beobachten, auch an Stellen, wo Unterführungen fehlen.
Doch warum werden Unterführungen an der S-Bahn-Linie viel besser angenommen? Ganz einfach: weil für Radfahrer nur 2,50 bis 3,00 m Höhe benötigt wird, während die Stromleitungen der S-Bahn in über 4 m Höhe hängen, so dass hier mehr als 6 m Höhenunterschied bewältigt werden müssten, während untendurch schon 4 Meter genügen dürften. Und wenn man berücksichtigt, dass die Rampen behindertengerecht nur eine mäßige Steigung haben dürfen inkl. Ruhepodesten für Greifrollstuhlfahrende, dann ziehen sich die Rampen auch sehr in die Länge, je mehr Höhenunterschiede bewältigt werden müssen. Weiterer Vorteil der Unterführung: wenn sie gut gemacht ist, kann man den Schwung der Abfahrt für die anschließende Auffahrt nutzen. Gut gemachte Unterführungen sind daher viel praktischer.
Am allerschönsten sind natürlich Unterführungen, bei denen der andere Verkehrsweg höher gelegt wurde, wie z.B. unter der A3 bei Weiskirchen, unter der K174 zwischen Jügesheim und Dudenhofen und unter der Rodgau-Ringstraße zwischen Rollwald und Nieder-Roden. Hier musste überall die Fahrbahn die Bahnlinie überführen und so konnte der Radverkehr davon partizipieren.

"Aber an der B45 gibt es fast nur Brücken und die werden wunderbar angenommen..." Ja, allerdings wird hier auch niemand erst über den Lärmschutzwall klettern und dann über die stark befahrende Fahrbahn rennen. Die Querungen sind damit alternativlos. Und die Brücken sind alle am Rand der Stadt, verbinden keine Ortsteile und sind keine Einkaufswege. Sie stammen auch schon fast alle aus der Bauphase der zur Schnellstraße ausgebauten B45 Ende der 1970er Jahre und sind leider ohne behindertengerechte Standards.

Leider ging der Stadt Rodgau 1993 dann das Geld aus - denn es waren ursprünglich noch mehr Unterführungen für Fuß- und Radverkehr geplant gewesen. Aktuell ist eine Querung in Höhe der Grenzstraße in der politischen Debatte. Hier würde es sich anbieten, die Unterführung - analog wie an der Südtrasse - auch unter der parallel verlaufenden Straße weiterzuführen und erst auf dem freien Grundstück wieder hochzukommen. Dann gäbe es eine sehr gute Anbindung an den gerade schön gemachten Finkenweg nach Hainhausen bzw. über die Egerstraße ins Jügesheimer Zentrum. Einen Anschluss an das Bahnpfädchen wäre nur für Fußgänger sinnvoll, da Radfahrende auf der Westseite auch weiter südlich oder nördlich prima queren könnten mit Anschluss an das Bahnpfädchen. Sonst würde die Unterführung die bislang sehr gute Verbindung an der Bahnlinie brutal unterbrechen - wie es leider in Rodgau öfter vorkommt.

Am Bild der Unterführung am Dellweg ist gut zu erkennen, dass man hier gut flanieren und radeln kann - die störenden Pfosten wurden zum Glück nach 20 Jahren endlich beseitigt. In den schlecht gemachten Unterführungen waren und sind auch immer wieder Umlaufsperren als Lösung im Gespräch - aber die verhindern die Nutzung der Unterführung für viele. Dann lieber gleich einladend und großzügig planen - schließlich sollen die Menschen zum Umsteigen eingeladen, besser noch verführt werden. Mit schlechter Infrastruktur schafft man keine Verkehrswende.
Darum hat das Land Hessen in seinen Qualitätsstandards und Musterlösungen
-> https://hessendrive.hessen.de/public/download-shares/LuFAQJZz8bo5ySqtg09sOB7TEEHgarts
sich auch zum Thema Unterführungen geäußert (S. 100ff).

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