Ergebnisse zum Mapathon Projekt – Ein Wunschradwegenetz für Rodgau

Ergebnisse zum Mapathon Projekt – Ein Wunschradwegenetz für Rodgau
Einige engagierte Rodgauer Bürger:innen hatten schon lange eine Vision: machen wir Rodgau zu einer der attraktivsten Fahrradstädte in Hessen, bestenfalls sogar zu einer „Fahrrad-Modellstadt“ für Städte, bestehend aus ehemaligen Straßendörfern. Uns war klar, dass dies nur gelingen kann, wenn diesem Ziel ein ausgearbeiteter Plan eines umfassenden Radwegenetzes zugrunde liegt, der Grundlage für die Verkehrspolitik des nächsten Jahrzehnts sein soll.

Mapathon Rodgau 2021
Mapathon Rodgau 2021

Ergebnisse zum Mapathon Projekt
Ende April 2021 stieß deshalb „Nachhaltig in Rodgau“ das Projekt  „Mapathon Rodgau – ein Wunsch-Radwegenetz für Rodgau“ an und suchte Menschen, die sich diesem Vorhaben anschließen. Der ADFC Rodgau konnte für das Projekt gewonnen werden und fortan arbeiteten wir im Team an einer interaktiven Karte als Visualisierung unserer Wunsch-Radwegenetz-Idee.
Voraussetzung für die Definition eines Radwegenetzes sind einerseits die Ausgangspunkte von Radwegen – also die Wohngebiete als sogenannte Quellen von Wegstrecken – und andererseits die typischen Ziele von Radfahrer:innen. Als Quellen haben wir in den fünf Ortsteilen insgesamt 27 zusammenhängende Wohngebiete identifiziert. Die mehr als 200 Ziele haben wir in 11 Kategorien unterteilt, von Schulen, Kitas über Einkaufsziele bis hin zu Orten der Freizeitaktivitäten. Ein gutes Radwegenetz hat den Anspruch, jede Quelle / jedes Wohngebiet mit allen relevanten Zielen für Radfahrende durch möglichst direkte, komfortable und vor allem sichere Routen intuitiv zu erschließen. Dies war im Laufe des Projekts ständig der Referenzwert, an dem wir die Güte des von uns in Konzeption befindlichen Wunsch-Radwegenetzes überprüft haben.
Wir identifizierten sechs ortsteilübergreifende Nord-Süd-Achsen, die quasi das Rückgrat des Wunschradwegenetzes bilden:
1. Radweg entlang Rodgau-Ringstraße
2. Bahnpfädchen westlich und östlich der S-Bahnlinie
3. Hauptstraßenachse (von Weiskirchen/Hauptstraße bis Nieder-Roden/Ober-Rodener-Straße)
4. Achse westlich der Hauptstraßen (von Hainhausen/August-Neuhäusel-Straße bis Nieder- Roden/Schulstraße)
5. Achse östlich der Hauptstraßen (von Weiskirchen/Brückenstraße bis Nieder-Roden/Marie-Curie- Straße)
6. Radwegachse östlich der B45 (von Weiskirchen/Daimlerstraße bis Dudenhofen/Babenhäuser Weg)
Die Nord-Süd-Verbindungen sind die wichtigste Strategieentscheidung des Radwegenetzes. Hier zeigt sich, ob das Radwegenetz der Zukunft zentraler Angelpunkt einer echten Verkehrswende oder nur Nebenprodukt einer immer noch autozentrierten Mobilitätsplanung in Rodgau sein wird. Deshalb legt unser Projekt auch so viel Wert auf die Hauptstraßenachse quasi als Herzstück des Wunsch-Radwegenetzes, weil hier ein Großteil der Anfahrtsziele gebündelt anzutreffen ist. Nur wenn es gelingt, diese Straßen für den Radverkehr sicher und bequem zu erschließen, kann das Projekt „Fahrradstadt Rodgau“ wirklich gelingen, kann Fahrradfahren aus der Peripherie ins Zentrum unserer Kommune geholt werden. Das Projektteam weiß um die verkehrspolitische und -planerische Herausforderung an diesem Punkt: einmal gefällte Entscheidungen sind auf dieser Ebene nicht ohne weiteres im Zehnjahresrhythmus revidierbar.
Als zweite tragende Säule des Wunsch-Radwegenetzes wurden 18 Ost-West-Achsen identifiziert und kartiert, die senkrecht zu den ortsteilübergreifenden Nord-Süd-Achsen die Ortsteile in sich erschließen (2 in Weiskirchen, 3 in Hainhausen, 6 in Jügesheim, 4 in Dudenhofen, 3 in Nieder-Roden). Limitierend wirken sich hier vor allem die S-Bahnlinie und die B45 mit ihren bestehenden Querungen aus, die für diese Achsen genutzt werden können. Neue Querungen sind, wenn überhaupt, nur mit erheblichem Aufwand umsetzbar. Die Einbindung neuer Stadtteile (z.B. Rodgau West) wird in Zukunft derartige Neuquerungen erfordern, so wurde in unserer Radwege-Karte eine neue S-Bahn-Querung auf Höhe der Egerstraße für das geplante Neubaugebiet Rodgau-West berücksichtigt. Daneben haben wir zwei weitere Neuquerungen der S-Bahn vorgeschlagen: am Bruchgraben und in Dudenhofen auf Höhe Gretel-Egner-Haus bzw. REWE-Center.
Da mit diesem Nord-Süd- und Ost-West-Achsensystem nicht alle relevanten Verkehrs-Quellen (=Wohngebiete) und Ziele miteinander verbunden sind, wurden 63 sogenannte innerörtliche Lückenschlüsse definiert, die innerorts das Radwegenetz vervollständigen (6 in Weiskirchen, 3 in Hainhausen, 18 in Jügesheim, 16 in Dudenhofen, 20 in Nieder-Roden). Gemeinsam mit den Hauptachsen bilden sie ein integriertes Radwegenetz, das direkte Verbindungen für alle relevanten Quell-Ziel-Verbindungen sicherstellt. Der Begriff Lückenschluss soll dabei nicht signalisieren, dass diese Routen im Vergleich zu den Hauptachsen per se unbedeutendender sind. Einige Lückenschlüsse sind aus unserer Sicht sogar so wichtig, dass wir sie in unserem Priorisierungsvorschlag sehr hoch bewertet haben (z.B. Lückenschlüsse rund um Schulen).
Zur Einbindung des hier definierten innerörtlichen in das bestehende regionale Radwegenetz wurden 46 sogenannte regionale Lückenschlüsse definiert. Hierdurch ist eine Radwegeverbindung zwischen Rodgau und den umliegenden Gemeinden erst sichergestellt. Zukünftige neue Regionalwege (z.B. geplante Radschnellwege im Rhein-Main-Gebiet) sind hierbei noch nicht berücksichtigt, müssen aber in Zukunft unbedingt mitgeplant werden. Durch die zunehmende Relevanz elektrifizierter Fahrräder ist dieses Fortbewegungsmittel auch bei größeren Entfernungen von mehr als 10 km gegenüber Pkws zunehmend attraktiver.
Mit den vier zuvor dargelegten Gestaltungselementen lässt sich für Rodgau ein attraktives, integriertes und lückenloses Radwegenetz definieren. Gestützt wird diese Aussage durch das im Juli 2021 veröffentlichte Mobilitätskonzept der Stadt Rodgau, da auch diese Ausarbeitung Rodgau als prinzipiell sehr geeignet für Radverkehr erachtet, jedoch bemängelt, dass derzeit ein durchgängiges und vernetztes Konzept noch in weiten Teilen fehlt.
Nachdem die interaktive Karte ausgearbeitet und als Zwischenergebnis veröffentlicht worden war, baten wir die Bürger:innen Rodgaus um Rückmeldungen: im Rahmen einer knapp zwei-monatigen Phase (20.06. – 10.08.) erhielt das Projektteam zahlreiche Rückmeldungen zum Wunsch-Radwegenetz.
Die eingegangenen Rückmeldungen, sowohl von den Videokonferenzen als auch mittels Schreiben per E-Mail oder handschriftlich wurden in die interaktive Karte und das Ergebnisdokument eingearbeitet.
Am 14. September 2021 wurden die Ergebnisse des Projekts „Mapathon Rodgau – ein Wunsch-Radwegenetz für Rodgau“im Rahmen der Ausschusssitzung für Umwelt, Energie und Verkehr als Kurzvortrag vorgestellt und gedruckte Exemplare den Mitgliedern des Ausschuss übergeben. Für alle anderen Interessierten sind die Ergebnisse unseres Projekts nachfolgend abrufbar:
Ergebnisbericht des Projekts 
interaktive Karte des Wunsch-Radwegenetzes 
Karte des Wunsch-Radwegenetzes als Download 
Entstehungsgeschichte des Wunsch-Radwegenetzes für Rodgau
Nun liegt es an der Rodgauer (Verkehrs-)Politik, sich die Projektarbeit an dem Wunsch-Radwegenetz zunutze zu machen. Lokale (und nahregionale) Mobilität kann anders aussehen als es heute der Fall ist. Überbordende Autoblechlawinen müssen nicht naturgesetzlich den öffentlichen Raum in einer Stadt füllen und damit jeden Spielraum für eine menschengerechtere, umwelt- und klimafreundlichere Nutzung unserer Stadtlandschaft verunmöglichen. Nahmobilität funktioniert mit weniger Pkw und mehr Radfahren und Zu-Fuß-Gehen besser und ist zukunftsweisender. Rodgau muss aus der situativen Politik der kleinen Schritte in eine Politik des systematischen Umbaus unserer Verkehrsinfrastruktur zur Förderung von Radfahren und Zu-Fuß-Gehen umschalten, um die Voraussetzungen für ein verändertes Mobilitätsverhaltens der Rodgauer Bürger:innen zu schaffen. Überall dort, wo man diesen Weg gegangen ist, haben die Menschen das neue Angebot angenommen und sind mit Begeisterung auf das Rad umgestiegen: was in Kopenhagen, Amsterdam, Wien und Baunatal möglich war, kann auch in Rodgau Realität werden und ein neues und besseres Zeitalter von achtsamer Mobilität und viel mehr Aufenthalts- und Lebensqualität bei uns einläuten.

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